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Lager­automatisierung: Warum ich zuerst nach Strom, Gebäude und Rechenzentrum frage

Zwei Drittel der Handelsunternehmen nutzen automatische Lagersysteme, doch die Investitionskosten bremsen. Meine Sicht aus dem Technologievertrieb in Österreich.

Von Wolfgang BriemLesezeit ca. 5 Minuten
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Frank Keilacker hat Ende Juni in den GFM Nachrichten die EHI-Studie „KI und Automatisierung in der Handelslogistik 2026“ zusammengefasst.[1] Der Großteil seines Beitrags dreht sich um Lieferroboter auf Gehsteigen in Los Angeles, Milton Keynes und China. Das ist spannend, für die meisten österreichischen Händler und Logistiker aber noch weit weg. Mehr beschäftigt hat mich der erste Teil, der über das Lager.

66,7 %der befragten Unternehmen nutzen automatische Lagersysteme
5,3 / 10So hoch schätzen sie ihren eigenen Automatisierungsgrad ein
69,4 %nennen hohe Investitionskosten als größte Herausforderung

Zahlen: EHI Retail Institute[2], zitiert nach GFM Nachrichten[1]

Die Anlage ist selten das teuerste Problem

Wenn ein Unternehmen ein Shuttlelager oder fahrerlose Transportfahrzeuge plant, wird der Business Case meist um die Anlage herum gerechnet: Durchsatz, Personal, Fehlerquote. Was oft erst spät auf den Tisch kommt, ist alles, was die Anlage zum Laufen braucht. Genug Anschlussleistung, ein Gebäude, dessen Technik mit der Lagertechnik zusammenspielt, und IT, die rund um die Uhr verfügbar ist.

Wird das erst in der Ausführung sichtbar, kommen Nachträge. Aus meiner Sicht erklärt das einen Teil der knapp 70 %, die hohe Investitionskosten als größte Hürde nennen.

Drei Themen, die ich in jedem Automatisierungsprojekt früh ansprechen würde

1. Energiemanagement

Ein automatisiertes Lager läuft oft im Mehrschichtbetrieb oder durchgehend. Fördertechnik, Ladevorgänge der Fahrzeuge, Kühlung und IT ziehen gleichzeitig Strom. Wer in Österreich nach gemessener Leistung abgerechnet wird, zahlt beim Netzentgelt auch für die Spitzenlast. Ein Energiemanagementsystem, das Verbräuche pro Anlage misst und Ladevorgänge zeitlich verschiebt, kann diese Spitzen senken. Viele Lagerhallen haben inzwischen eine PV-Anlage am Dach. Auch die lässt sich besser nutzen, wenn man weiß, wann welche Anlage wie viel Strom braucht.

2. Gebäudeleitsystem

Im automatisierten Lager wird das Gebäude Teil der Anlage. Klima, Brandschutz, Tore, Zutritt und Beleuchtung müssen zur Lagertechnik passen. In Bereichen, in denen nur Maschinen arbeiten, braucht es zum Beispiel kaum Licht. Ein Gebäudeleitsystem, das Meldungen aus Gebäude- und Lagertechnik an einer Stelle zusammenführt, spart im Betrieb Zeit und macht Störungen schneller sichtbar.

3. Data Center Infrastructure Management (DCIM)

Lagerverwaltung, Steuerung der Fördertechnik und Robotik laufen auf Servern, oft direkt am Standort. Fällt dort Strom oder Kühlung aus, steht das ganze Lager. Bei Schneider Electric habe ich unter anderem das Secure-Power-Geschäft verantwortet und kenne das Muster: Kleine Serverräume und Edge-Standorte werden oft weniger genau überwacht als das zentrale Rechenzentrum. Mit DCIM sehen Betreiber USV, Kühlung, Temperatur und Auslastung auch an verteilten Standorten in einem System und werden gewarnt, bevor etwas ausfällt.

Planbare Umgebung beginnt beim Gebäude

Der GFM-Beitrag endet mit dem Gedanken, dass Automatisierung dort am besten funktioniert, wo Abläufe standardisiert und Umgebungen planbar sind. Gemeint ist dort die letzte Meile, wo genau das schwierig ist.[1] Ich übertrage den Gedanken auf das Lager: Planbar wird die Umgebung erst, wenn Strom, Gebäude und IT gemeinsam mit der Lagertechnik geplant werden.

Was das für Anbieter heißt

Für Hersteller und Integratoren in Österreich sehe ich darin eine Chance im Vertrieb. Über ein automatisiertes Lager entscheidet selten eine Person allein. Logistikleitung, Facility Management, IT und Geschäftsführung haben jeweils eigene Fragen. Wer Energiemanagement, Gebäudeleittechnik oder DCIM anbietet, sollte früh mit allen am Tisch sitzen und den Nutzen in deren Zahlen zeigen:

  • für die Geschäftsführung die Energie- und Netzkosten,
  • für die IT die Verfügbarkeit,
  • für das Facility Management den Aufwand im laufenden Betrieb.

Dafür eignet sich Account Based Marketing: wenige Zielkunden, die man gut kennt, und für jede Rolle im Buying Center die passende Botschaft.

Wenn Sie in diesem Umfeld verkaufen und darüber reden wollen, schreiben Sie mir.

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Wolfgang Briem
Wolfgang Briem

Berater für Vertrieb und Marketing in Wien. Davor unter anderem Sales Director IoT & Energy Management DACH bei Schneider Electric und Head of Enterprise Sales bei Drei.

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